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Parkinson beginnt möglicherweise im Darm: Forschende entdecken Rolle von Immunzellen und Darmbakterien

aerzteblatt.de

Morbus Parkinson könnte seinen Ursprung nicht im Gehirn, sondern im Darm haben. Neue Studien zeigen, dass bestimmte Immunzellen im Darm fehlgefaltete Proteine erkennen und eine Kettenreaktion auslösen können, die schließlich Nervenzellen im Gehirn schädigt. Auch Veränderungen der Darmflora scheinen an diesem Prozess beteiligt zu sein. Die Erkenntnisse eröffnen neue Möglichkeiten für die Früherkennung und Prävention der neurodegenerativen Erkrankung.

Immunzellen im Darm als möglicher Auslöser

Lange galt Parkinson vor allem als Erkrankung des Gehirns. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des University College London liefert nun weitere Hinweise darauf, dass die Krankheit bei vielen Betroffenen bereits Jahre früher im Darm beginnen könnte. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Muscularis-Makrophagen – Immunzellen, die normalerweise die Gesundheit des enterischen Nervensystems überwachen.

In Mausmodellen nahmen diese Immunzellen fehlgefaltete Alpha-Synuclein-Proteine auf, ein charakteristisches Merkmal der Parkinson-Erkrankung. Statt die Proteine vollständig abzubauen, entwickelten die Makrophagen jedoch Funktionsstörungen und aktivierten T-Zellen des Immunsystems. Diese wanderten schließlich Richtung Gehirn und förderten dort die Schädigung dopaminerger Nervenzellen.

Die Darm-Hirn-Achse rückt in den Fokus

Die Ergebnisse stützen die sogenannte „Gut-Brain-Axis“-Hypothese. Diese geht davon aus, dass Parkinson bei einem Teil der Erkrankten im enterischen Nervensystem entsteht und sich anschließend über Nervenverbindungen und Immunprozesse bis ins Gehirn ausbreitet. Bereits lange vor den typischen Bewegungsstörungen leiden viele Betroffene unter Verdauungsproblemen wie chronischer Verstopfung – ein möglicher Hinweis auf frühe Veränderungen im Darm.

Die Forschenden konnten außerdem zeigen, dass aktivierte T-Zellen vom Darm bis in die Hirnhäute gelangen und dort mit dem Fortschreiten der Alpha-Synuclein-Pathologie in Verbindung stehen. Damit liefert die Studie einen konkreten biologischen Mechanismus für die Ausbreitung der Erkrankung entlang der Darm-Hirn-Achse.

Darmbakterien könnten den Krankheitsverlauf beeinflussen

Neben Immunzellen rückt auch das Mikrobiom zunehmend in den Fokus der Parkinson-Forschung. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora von Parkinson-Patientinnen und -Patienten deutlich von jener gesunder Menschen unterscheidet. Häufig finden sich Veränderungen bei Bakteriengruppen, die an der Produktion entzündungshemmender Stoffwechselprodukte beteiligt sind.

Die im Ärzteblatt erwähnte Begleitstudie deutet darauf hin, dass bestimmte Darmbakterien Entzündungsreaktionen fördern und dadurch die Krankheitsentwicklung beeinflussen könnten. Ob diese Veränderungen Ursache oder Folge der Erkrankung sind, ist bislang allerdings nicht abschließend geklärt.

Chancen für Früherkennung und neue Therapien

Die neuen Erkenntnisse könnten weitreichende Folgen für die Behandlung von Parkinson haben. Wenn sich bestätigt, dass die Erkrankung bereits Jahre vor den ersten motorischen Symptomen im Darm beginnt, könnten künftig Biomarker aus dem Darm oder dem Mikrobiom zur Früherkennung eingesetzt werden. Darüber hinaus eröffnen sich neue therapeutische Ansätze, die gezielt auf Immunzellen oder die Darmflora abzielen.

Noch handelt es sich überwiegend um Ergebnisse aus Tiermodellen. Dennoch sehen Forschende darin einen wichtigen Schritt, um die Entstehung von Parkinson besser zu verstehen und die Krankheit möglicherweise bereits in ihren frühesten Stadien zu stoppen.

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  Quelle: aerzteblatt.de (27.05.26; GI-NH)
 
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